In diesem Beitrag erfahren Sie alles über die Hufe von Pferden. Von Aufbau und Anatomie der Hufe beim Pferd über die Merkmale eines gesunden Hufs bis hin zu Funktion und Hufpflege bei Pferden. Unser Experte beantwortet zentrale Fragen wie „Wie sieht ein gesunder Huf beim Pferd aus?“, „Warum brauchen Pferde Hufeisen?“ oder „Wie oft muss ein Pferd zum Hufschmied?“ und gibt wertvolle Expertentipps zur alltäglichen Hufpflege bei Pferden.
Der Experte
Marcus Wagner - Experte für Hufgesundheit und Hufbeschlag

Marcus Wagner ist als einer der international führenden Hufschmiede in der Welt der Spitzenpferde zu Hause. Er sorgt als Experte für Hufbeschlag und Hufpflege von Championats- und Olympiapferden weltweit für gesunde und leistungsfähige Pferde – vom Fundament an.
Seine Erfahrung und sein tiefgehendes Know-how bestimmen die Produktentwicklung von FRIDO LOVES IT maßgeblich mit. Dabei geht es ihm immer um das beste Produkt, das in perfekter Balance zur Hufbearbeitung steht und die Pferdegesundheit optimal gewährleistet und schützt.
Die Bedeutung gesunder Hufe
Das Sprichwort „No hoof no horse“ bringt die Bedeutung gesunder Hufe auf den Punkt. Die Hufe sind für das Pferd Basis und Fundament. Ausgewachsene Pferde verbringen etwa 20 Stunden des Tages im Stehen. Die Hufe tragen das gesamte Körpergewicht des Pferdes und sind die Grundlage für schmerzfreie und verschleißarme Bewegung. Stimmt die Balance der Hufe nicht, wirkt sich das auf den gesamten Pferdekörper aus. Außerdem können Hufkrankheiten Schmerzen, Lahmheiten und lange Verletzungspausen nach sich ziehen. Gesunde Hufe sind somit essenziell für ein gesundes Pferd.
Um als Pferdebesitzer für gesunde und funktionale Hufe zu sorgen, ist es wichtig, Anatomie, Funktion und Merkmale gesunder Hufe zu kennen.
Anatomie der Hufe beim Pferd: Aufbau des Pferdehufs im Überblick
Der Pferdehuf ist ein hochspezialisiertes Trag- und Stoßdämpfungsorgan. Die Hornkapsel schützt die inneren Strukturen, während der Huf als Ganzes das Gewicht trägt und Stöße abfedert. Der Aufbau des Hufs lässt sich in innere und äußerlich sichtbare Bestandteile gliedern.
Der äußere Aufbau der Hufe beim Pferd


Im Aufbau des Pferdehufs bilden die äußerlich sichtbaren Strukturen die Hornkapsel. Sie besteht aus Hufwand, Tragrand, Weißer Linie, Sohle, Strahl, Eckstreben und Trachten. Ebenfalls äußerlich sichtbar sind Kronrand und Ballen, welche den Übergang zur Hornkapsel darstellen und als weiches Gewebe kein Teil der Hornkapsel selbst sind.
Die Hufwand besteht aus Harthorn und umfasst den gesamten Bereich vom Kronrand bis zum Tragrand. Sie trägt den größten Teil des Gewichts. Man unterscheidet zwischen Zehenwand (vorne), Seitenwand (seitlich), Trachtenwand (hinten) und Eckstreben (eingestülpte Fortsetzung der Hufwand zwischen Strahlfurchen und Sohle).
Die Weiße Linie verläuft zwischen Tragrand und Sohle. Sie besteht aus Weichhorn und bildet den Übergang zur Lederhaut, welche zum lebenden Gewebe im inneren der Hornkapsel gehört. Die Weiße Linie ist deutlich empfindlicher als Wand und Sohle sowie anfälliger für Fäulnisprozesse.
Die Hufsohle besteht aus Harthorn und umfasst den gesamten Bereich zwischen Weißer Linie, Strahl und Eckstreben. Sie trägt ebenfalls einen Teil des Gewichts und schützt die inneren Strukturen, ist jedoch empfindlicher als die Hufwand.
Der Strahl ist eine V-förmige, elastische Hornstruktur, welche im Anschluss an den Ballen beginnt und mittig in der Hufsohle in Richtung Zehe spitz zuläuft. Zum Strahl gehören außerdem die Strahlfurchen. Das sind die Vertiefungen in der Mitte des Strahls sowie links und rechts im Übergang zur Eckstrebe. Der Strahl wirkt stoßdämpfend, unterstützt die Durchblutung und sorgt für Grip. Je nach Hufform und Beschlag trägt er einen Teil des Gewichts. Der Strahl besteht aus Weichhorn und ist daher anfälliger für Fäulnisprozesse.
Der innere Aufbau der Hufe beim Pferd

Im Aufbau des Pferdehufs setzen sich die inneren, lebenden Strukturen in der Hornkapsel aus Lederhaut, Ballen-/Strahlpolster, Hufbein, Hufgelenk, Strahlbein, tiefer Beugesehne, Strecksehne, Schleimbeutel und Kronbein zusammen.
Die Lederhaut ist die Verbindung zur Hornkapsel. Sie ist stark durchblutet, enthält viele Nerven und ist für die Hornproduktion verantwortlich. Je nach Bereich des Hufs wird sie als Kron-, Wand-, Sohlen- oder Strahl- und Ballenlederhaut bezeichnet.
Strahl- und Ballenpolster bestehen aus elastischen Fasern und Fettgewebe, absorbieren Stöße und tragen zum Hufmechanismus bei. Das Strahlpolster liegt zwischen Strahl und Beugesehne, das Ballenpolster liegt oberhalb des Strahls.
Hufbein, Strahlbein und Kronbein bilden die knöchernen Strukturen im Inneren des Hufs. Hufbein und Kronbein sind durch das Hufgelenk miteinander verbunden. Die Strecksehne sowie die tiefe Beugesehne setzen am Hufbein an. Das Hufbein selbst ist durch den Hufbeinträger in der Hornkapsel aufgehängt. Hierbei ist das Hufbein mit der Lederhaut verbunden. Die Lamellen der Wandlederhaut sind mit den Hornblättchen der Hufwand verbunden.
Angrenzend an Hufbein und Hufgelenk in Richtung Ballen befindet sich der Hufrollenapparat. Er setzt sich aus Strahlbein, Schleimbeutel und tiefer Beugesehne zusammen. Die Hufrolle sorgt für eine Abfederung der Stöße beim Auffußen, Umlenkung von Kräften sowie einen reibungsarmen Bewegungsablauf. Hierbei gleitet die tiefe Beugesehne über das Strahlbein, welches als Umlenkrolle fungiert. Es verteilt die entstehenden Kräfte und unterstützt die mechanische Wirkung der tiefen Beugesehne. Der Schleimbeutel minimiert die Reibung und trägt ebenfalls zur Stoßdämpfung bei.
Wie sieht ein gesunder Huf beim Pferd aus?
Ein gesunder Huf beim Pferd zeichnet sich durch eine glatte, stabile sowie gestreckte Hufwand aus. Er wirkt symmetrisch, weist keine Wärmeunterschiede auf, ist nicht heiß und an der Zehenarterie ist keine Pulsation spürbar. Außerdem sollten keine Risse und Spalten sowie Ausbrüche am Tragrand oder der Nagelung vorhanden sein. Lediglich feine Wachstumsringe parallel zum Kronrand dürfen erkennbar sein. Die Hornsubstanz sollte fest, elastisch und gleichmäßig sein.
Wird ein gesunder Pferdehuf von unten betrachtet, zeigt sich eine leicht konkave, feste und gleichmäßig dicke Sohle ohne faulige Bereiche oder Druckstellen. Ein gesunder Strahl ist breit, trocken sowie elastisch und hat bei unbeschlagenen Hufen guten Bodenkontakt. Die Furchen sollten nicht feucht, tief oder übelriechend sein. Die Weiße Linie ist schmal sowie gleichmäßig und weist keine Hohlräume oder bröckelige Struktur auf. Beim Auskratzen der Hufe sollte das Pferd keine Schmerzreaktion zeigen.
Betrachtet man den Huf von vorne, sollte der Kronrand weitestgehend parallel zum Tragrand bzw. gleichmäßig waagerecht verlaufen. In der Seitenansicht sollte die Zehenwand gestreckt und die Huf-Fessel-Achse korrekt sein. Das bedeutet, dass der Winkel der Zehenwand dem Winkel der Fessel entspricht.

Ein gesunder Huf beim Pferd zeichnet sich somit einerseits durch den Zustand des Horns der verschiedenen Bereiche und andererseits durch korrekte Stellung und Winkel aus. Das Zusammenspiel der physiologischen und physikalischen Balance ermöglicht dem Huf bestmögliche Funktionalität, welche ein entscheidendes Kriterium für einen gesunden Huf ist.
Funktionen des Hufs beim Pferd
Ein Pferdehuf dient in erster Linie dazu, das Gewicht des Pferdes zu tragen und mit der stabilen Hornkapsel die empfindlichen inneren Strukturen zu schützen. Um das Gewicht des Pferdes sowie die daraus entstehenden Kräfte bestmöglich zu verteilen, andere Strukturen im Bein des Pferdes zu entlasten und das Pferd in Balance zu halten, sind die Hufgesundheit sowie die verschiedenen Funktionen des Hufs essenziell.
Stoßdämpfung - Der Hufmechanismus
Die wichtigste Funktion des Pferdehufs ist die Stoßdämpfung. Diese erfolgt durch den Hufmechanismus, welcher nur bei einem gesunden Huf optimal funktioniert. Hierbei sorgen die Kräfte, welche auf den Huf wirken, für elastische Verformung. Beteiligte Strukturen sind Hufwand/Trachten, Strahl, Strahlpolster, Hufballen, Sohle, Hufknorpel, Hufbein und Lederhaut.
Beim Auffußen weitet sich der Huf im Bereich der Trachten, die Ballen geben elastisch nach und der Strahl wird belastet. Die Strukturen im Inneren des Pferdehufs nehmen Energie auf und der Druck wird auf den gesamten Huf verteilt. Beim Abfußen zieht sich der Huf in seine Ausgangsform zurück und die gespeicherte Energie wird in die Bewegung wieder abgegeben. Dies entlastet Sehnen, Gelenke und Bänder.
Die Pumpwirkung für das Herz-Kreislauf-System
Die Lederhaut wird durch den Hufmechanismus beim Auffußen zusammengedrückt und dehnt sich beim Abfußen wieder aus. Dies führt zu einem Pumpeffekt, welcher aufgrund der vielen Blutgefäße in der Lederhaut einen wichtigen Beitrag zu Blut- und Nährstoffversorgung im Huf leistet und dafür sorgt, dass das Blut wieder zurück zum Herzen transportiert wird.
Grip, Balance und Tastorgan
Durch den Bodenkontakt liefert der Pferdehuf den erforderlichen Grip für sichere Fortbewegung und sorgt mit seinem Einfluss auf die Stellung der Gliedmaße und seiner Elastizität für optimale Balance. Darüber hinaus fungiert er als Tastorgan und liefert dem Pferd Informationen über die Bodenbeschaffenheit, was für eine gute Koordination und Trittsicherheit sorgt.
Das Zusammenspiel von Gesundheit, Funktion und Bewegung
Für einen gesunden Pferdehuf ist das Zusammenspiel von Gesundheit, Funktion und Bewegung von großer Bedeutung, denn nur ein gesunder Huf kann seine verschiedenen Funktionen bestmöglich erfüllen. Grundlage für die Funktionalität der Hufe ist Bewegung, da die Funktionen des Hufs auf Bewegung basieren. Hat das Pferd ausreichend Bewegung, kann der Huf seine Funktionen bestmöglich erfüllen, was sich z.B. in Form von guter Durchblutung wiederum positiv auf die Hufgesundheit auswirkt.
Warum brauchen Pferde Hufeisen?
Warum ein Pferd Hufeisen bekommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der häufigste Grund dafür, dass Pferde Hufeisen tragen, ist die Abnutzung der Hufe. Durch Training oder Haltung werden die Hufe der Pferde stärker abgenutzt als sie nachwachsen. Dies würde ohne Hufeisen oder einen anderen Hufschutz auf Dauer zu Schmerzen für das Pferd führen. In freier Wildbahn stehen Wachstum und Abnutzung im gleichen Verhältnis zueinander, daher sind hier weder Hufbearbeitung noch Beschlag erforderlich.
Ein weiterer wichtiger Grund, warum Pferde beschlagen werden, sind Hufkrankheiten und Erkrankungen an Sehnen, Bändern oder Gelenken. Hierbei sorgt der Beschlag für Schmerzlinderung und/oder Verbesserung der Heilung, da die Kräfte, welche auf Strukturen in Huf und Gliedmaße wirken, mit einem Beschlag effektiver beeinflusst werden können. Oft handelt es sich hierbei um spezielle orthopädische Beschläge.
Außerdem tragen Pferde Hufeisen, da Gliedmaßenfehlstellungen zu ungleichmäßiger Abnutzung führen mithilfe des Beschlags in einem gewissen Rahmen korrigiert werden können.
Darüber hinaus haben Pferde auch aufgrund von speziellem Training Hufeisen, da beispielsweise Westernpferde an den Hinterhufen sogenannte Sliding Plates für Sliding Stops tragen oder Spring- und Vielseitigkeitspferde Stollen benötigen.
Hufschmied: Wie oft? - Wie oft sollte mein Pferd zum Hufschmied?
Wie oft ein Pferd zum Hufschmied muss, hängt von Hufwachstum und Beschlag ab. Ein beschlagenes Pferd muss je nach Hufwachstum alle 6-8 Wochen zum Hufschmied. Bei unbeschlagenen Pferden können die Abstände zwischen den Terminen unter Umständen auch länger sein und sind individuell abhängig von Wachstum, Abnutzung und der Erforderlichkeit von Stellungskorrekturen. Wichtig bei der Wahl des Intervalls ist die fachliche Einschätzung des Hufschmieds anhand individueller Gegebenheiten.
Anzeichen, dass ein Pferd zum Hufschmied muss, sind nach außen verbogene Hufwände, eine lange Zehe, zunehmendes Stolpern sowie lose oder verlorene Hufeisen.
Hufpflege bei Pferden
Neben Bewegung und Beschlag spielt auch die Hufpflege beim Pferd eine wichtige Rolle für die Erhaltung von Gesundheit und Funktionalität der Hufe. Mit konsequenter Pflege, welche sich aus regelmäßigen Besuchen beim Hufschmied oder Hufbearbeiter und der täglichen Pflege zusammensetzt, lassen sich die meisten Erkrankungen und Probleme im Keim ersticken.
Tägliche Hufpflege
In der alltäglichen Hufpflege ist das tägliche Auskratzen sowie eine gründliche wasserfreie Reinigung der Hufe essenziell. Sie liefert die Basis für die Hufpflege, indem sie das Risiko für Fäulnisprozesse verringert, Fremdkörper entfernt, den Huf auf die Anwendung von Pflegemitteln vorbereitet und dafür sorgt, dass kleine Veränderungen oder Erkrankungen früh erkannt und bestmöglich behandelt werden können.
Eine wasserfreie Reinigung ist empfehlenswert, da häufiges Waschen der Hufe zu Staunässe unter den Eisen oder in den Nagellöchern führen kann. Dies verursacht Fäulnisprozesse, während Wand und Sohle durch eine kurze Wäsche die Feuchtigkeit nicht langfristig speichern. Für eine effektive wasserfreie Reinigung empfehlen wir für Strahl, Sohle und Weiße Linie die FRIDO LOVES IT Strahlbürste. Zur gründlichen trockenen Reinigung der Hufwand empfehlen wir die FRIDO LOVES IT Hufbürste, welche zusätzlich den Kronrand vor Beschädigungen durch grobe Borsten schützt.
Für eine nachhaltige Feuchtigkeitsversorgung empfehlen wir die Anwendung des FRIDO LOVES IT Huf-Serum alle 2-3 Tage. Das Huf-Serum bindet dank Hyaluron die Feuchtigkeit im Horn und bildet im Vergleich zu herkömmlichem Öl oder Fett keine wasser- und luftundurchlässige Schicht.
Expertentipps von Marcus Wagner
Für optimale Feuchtigkeitsversorgung und eine besonders einfache Reinigung der Hufe empfiehlt unser Experte, das FRIDO LOVES IT Huf-Serum vor dem Reiten sparsam auf die gereinigten Hufe aufzutragen, nach dem Reiten erneut die Hufe abzubürsten und noch einmal das Huf-Serum sparsam aufzutragen. So werden die Hufe bestmöglich gepflegt und Verschmutzungen lassen sich besonders leicht abbürsten.
Zur Vorbeugung von Strahlfäule empfiehlt Marcus Wagner das FRIDO LOVES IT Strahl-Serum einmal pro Woche auf den gereinigten Strahl aufzutragen.
Wie kann ich mein Pferd vor Hufproblemen schützen?
Um sein Pferd bestmöglich vor Hufproblemen zu schützen, ist ein Zusammenspiel aus regelmäßiger fachkundiger Hufbearbeitung/Beschlag, täglicher Pflege und ausreichend Bewegung erforderlich. In der täglichen Pflege ist es neben der Reinigung sowie der Anwendung von Pflegemitteln sehr wichtig, das Bild eines gesunden Pferdehufs vor Augen zu haben und die Hufe seines Pferdes täglich auf Veränderungen zu kontrollieren, um Probleme oder Erkrankungen früh zu erkennen.